Angeklagter war bei Brandanschlag betrunken

Alternatives Kulturwerk Bitterfeld


Unmittelbar nachdem ein Täter von der Polizei gestellt worden war, ergab ein Atemalkoholtest bei ihm einen Wert von 2,4 Promille. Dieser Wert und sein Verhalten gegenüber den Polizisten könnten darauf hindeuten, dass sich der Angeklagte wegen seiner Alkoholisierung nicht mehr voll im Griff gehabt habe.(BILD: Reiinke/Archiv)

Von Thomas Steinberg
Einer der Angeklagten im Prozess zu den Brandanschlägen auf das Alternative Kulturwerk Bitterfeld war zum Tatzeitpunkt betrunken. Das Landgericht beschäftigt sicht deshalb mit der Frage: War er voll schuldfähig oder nicht?

Bitterfeld/Dessau.Der Prozess wegen der Brandanschläge gegen das Alternative Kulturwerk (AKW) in Bitterfeld kommt nur langsam voran. Am diesmaligen Verhandlungstag am Landgericht in Dessau ging es vor allem um die Frage, ob einer der Angeklagten zum Tatzeitpunkt voll steuerungsfähig war oder nicht.

Denn unmittelbar nachdem er von der Polizei gestellt worden war, ergab ein Atemalkoholtest bei ihm einen Wert von 2,4 Promille. Dieser Wert und sein Verhalten gegenüber den Polizisten könnten darauf hindeuten, dass sich der Angeklagte wegen seiner Alkoholisierung nicht mehr voll im Griff gehabt habe, meinte die Psychiaterin im Prozess.

Sollte es zu einer Verurteilung kommen, hätte es aber wenig Sinn, ihn in eine Entzugsklinik zu schicken. Trotz seines massiven Konsums behaupte der Angeklagte, kein Problem mit Alkohol zu haben und lehne eine Therapie ab, so die Gutachterin. Eine Einweisung habe deshalb nur geringe Erfolgsaussichten.

Außerdem regte ein Verteidiger an, das AKW zu besichtigen – er selbst könne sich immer noch kein genaues Bild vom Tatort machen. Wenn die Kammer dieser Anregung nachkäme, wäre das außergewöhnlich. Denn solche Vor-Ort-Termine kommen in Strafverfahren so gut wie nie vor. (mz)

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung