„Wer auf uns schießt, muss damit rechnen, dass wir auf ihn schießen“

Demo von Rechtsextremen in Wolfen

12.12.2015 14:46 Uhr

Mit Fackeln versammelten sich Anhänger von Brigade, NPD und Die Rechte. (BILD: Michael Maul)

Von Lisa Garn
Wurden Gegendemonstranten bei einer Versammlung von Rechtsextreme in Wolfen mit Gewalt bedroht? Diesem Hinweis geht nun die Polizei nach. Auf der Demo wurde auch offen ausländerfeindlich gehetzt.

Wolfen. Nach einer Versammlung von Rechtsextremen in Wolfen geht die Polizei Hinweisen nach, dass Gegendemonstranten mit Gewalt bedroht worden sein sollen. „Es wird mit der Staatsanwaltschaft geprüft, ob strafrechtliche Relevanz besteht“, so Maik Strömer von der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost.

Am Donnerstagabend hatten sich rund 60 Anhänger der Gruppierung Brigade Bitterfeld sowie der Parteien NPD und Die Rechte auf dem Marktplatz in Wolfen-Nord versammelt. Etwa 20 Gegendemonstranten, darunter Mitglieder des Bitterfeld-Wolfener Bündnisses „Gemeinsam gegen Rechts“, standen in der Nähe. Sie versuchten, mit Pfiffen, Trillerpfeifen und lautstarken Rufen die Reden der Rechten zu übertönen. Die Polizei schirmte beide Lager voneinander ab und sicherte die Lage.

Die Veranstaltung begann kurz nach 17 Uhr. Anmelder Hans-Robert Klug aus Greppin von der Partei Die Rechte war einer der Hauptredner. Die Reden waren voller Halb- und Unwahrheiten. Dass angeblich nur drei Prozent der nach Deutschland Geflüchteten aus Kriegsgebieten stammen, war nur ein Beispiel. Es wurde gedroht und offen ausländerfeindlich gehetzt. Asylbewerber wurden mit Besetzern verglichen, es ging gegen Merkel, gegen die USA. Redner schürten Ängste, suggerierten Übergriffe durch Flüchtlinge bei einer Unterbringung im Wolfener Big Hotel.

Hans-Robert Klug kündigte weitere Veranstaltungen für die nächsten Wochen an und äußerte dabei in Anlehnung an NSDAP-Parolen „Wolfen erwache“ – eine verbotene Losung des Dritten Reiches. Wohl um eine strafrechtliche Verfolgung zu verhindern, formulierte er den Satz anschließend um. Beobachter schätzten ein, dass ein Großteil der Teilnehmer Rechtsextreme aus Dessau-Roßlau, Merseburg und Magdeburg waren. Die Veranstaltung verlief weitgehend ohne Zwischenfälle. Zum Ende hin drohte ein Redner allerdings massiv in Richtung der Gegendemonstranten. Bei mehr Teilnehmern in den eigenen Reihen werde man auf der anderen Seite „für Ruhe sorgen“. Es fielen Sätze wie: „Wer auf uns schießt, muss damit rechnen, dass wir auf ihn schießen.“ Das bezog man auf angebliche Schüsse auf Brigade-Anhänger am Wochenende in Dessau, wofür die Polizei auf Nachfrage weiterhin keine Beweise gefunden hat. (mz)

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung