Rassistische Beleidigungen bis hin zu Mordaufrufen. Wenn ganz „normale“ Bürger ihre „Meinung“ äußern.

Auf Facebook wütet bis zum Wochenende eine öffentliche rassistische Hetze, die selbst vor Mordphantasien nicht zurückschreckt.
Ausgangspunkt der Hetze ist das Posting des Dipl. Mediziners Peter Glaß aus Sandersdorf. Mit Bezeichnungen wie „Schwarzfahrer“ oder „stark pigmentierten Fahradfahrer mit Imigrations-Hintergrund“ beschreibt dieser eine ganz alltägliche Situation einer gegenseitigen Pöbelei, deren Brisanz augenscheinlich allein aus der Hautfarbe des Radfahrers resultiert.

Innerhalb von 20h wurde dieser Post nun bereits fast 600 mal geteilt und noch viel häufiger kommentiert. In der Kommentarspalte des Orginalposts entwickelte sich eine regelrechte progromartige Stimmung, die von Hernn Glaß immer weiter bestärkt wurde. Hier ein paar „Meinungen“, die selbstverständlich nicht als rassistisch bezeichnet werden dürfen, da dies ja eine Diffamierung der „ganz normalen Deutschen Bürger“ darstellen würde (Fehler im Original):

Steffen Engel: Ein bar auf die fresse hauen habe auch ein bar Vorfälle gehabt damit ist jetzt auch Schluss bei mir …

Dave Marquardt: Ein fangen in den keller sperren und nie wieder raus lassen

Marcel Bienenkönig Brandl: Ich denke ich hätte den einfach vom Rad geschallert! …

Peter Glaß (der Arzt aus Sandersdorf) steht seinen rassistischen Kommentatoren in nichts nach:

Peter Glaß: Die haben auf ihrer Jolle aufm Mittelmeer genügend Zeit, sich mit den Deutschen Regeln zu befassen, bevor sie herkommen!

Auch andere Menschen des öffentlichen Lebens aus Bitterfeld hetzen ungeniert mit und machen Vorschläge, wie der Mediziner mit „solchen Menschen“ umgehen könnte.
So schreibt der Bitterfelder Stadtjäger:

Harald Eisenmann: Hast Du keine Beruhigungsmittel für solche Kunden? „smile“

Und weiter:

Harald Eisenmann: Er könnte ja aus Versehen die Dosierung überhöhen, dann wäre der Kunde ne weile länger brav… „smile“

Ein weiterer Wutbürger argumentiert in bekannter „ich habe ja nichts gegen… ABER“-Manier:

Matthias Neumann: @ Peter Glaß, im Notfallkoefferchen haste doch sicher was dabei, was zur Gehwegbefreiung geholfen haette !!! Bin sonst eigentlich sehr PRO fuer die Jungs, aber die sind lange genug hier, um zu wissen, wie man sich hier zu benehmen hat !!! War sicher wieder einer der Ausnahmen, die leider momentan zunehmen !!! Manchmal hilft dann nur noch die ERZIEHUNG !!!

Weitere Pläne scheint Matthias Neumann dann auch schnell gefasst zu haben:

Matthias Neumann: naechstes mal Arm raus, hoehe Hals und dann Peter Glaß rufen

oder

Matthias Neumann; Mein Tip : Hau ihn um…

Auch andere Kommentatoren aus dem Bekanntenkreis des Arztes geben sich im Verlauf ihren Gewaltphantasien ganz öffentlich hin:

Wolle Fuchs: Dock aber bitte Bescheid sagen!! Ich mach mit!!!!

Detlef Bischoff Ich hoffe dieser schwarze Affe braucht mal einen Not Arzt und du hast Bereitschaft da währe ich gerne dabei

Im Folgenden werden dann Name und auch Wohnort des als „Schwarzfahrer“ oder zeitweise als „Affe“, „verbrannte Kohle“ oder „Schwarze Sau“ beleidigten Menschen ausgetauscht. Ausserdem wird ihm unverholen damit geroht, ihn umzubringen:

Mirko Gudella: „Sowas gab’s früher nicht wo sind die Glatzen hin früher hatten wir die Macht ich muss dir sagen bevor es noch schlimmer wird schlag in tot die schwarze sau“

Auch mit bereits geschehenen rassistischen Übergriffen und Körperverletzungen wird sich gerühmt:

Nils Teichler: Woher sollen die wissen was hier abgeht
Die Wohnen in einem größeren schuhkarton ohne jeglichen Luxus
Das hätte man so klären Können wir vor zwei Wochen an de schwedenblöcke
Da ist ein ähnlicher Vorfall gewesen mit der Beteiligung meinerseits er ( die verbrannte Kohle) sagte auch nazi zu mir da ging es Klatsch Klatsch und um lag sie die
Das geht garnicht mich bzw uns als nazi bezeichnen zu lassen schon allein wegen meiner Partei Zugehörigkeit

Welche absurden, xenophoben „Ängste“ so ganz alltägliche Situationen aus dem Straßenverkehr auslösen können, wird in folgenden Kommentaren deutlich:

Sven Fildebrandt: Es wird irgendwann so kommen wir deutschen Rennen schön fleißig zur Arbeit und die beklauen uns am Tag aber bei mir sollen sie mal kommen meine drei Hunde freuen sich jetzt schon den ist es egal ob Medium oder ganz verbrannt

und weiter,

Rene Mechtold Sehen leider die meisten (deutschen )nicht so 70.80.90% die wohnen in Regionen(Dörfer und Land) wo das noch nicht so überhand genommen hat die wünschen sich mehr Asylanten! Erst wenn die Grenze von Gewalt und Unruhe, Einbrüche und Vergewaltigungen überschritten ist werden diese Leute wach (eventuell) aber dann ist diese Grenze überschritten und unumkehrbar !

Tante Trulla: Ich bin geschockt !!! Das War so was von klar dass es so kommen wird…
Ich habe angst um meine Kinder !
Ständig glotzen sie im vorbei gehen ins Fenster rein.Sicher fühle ich mich hier nicht mehr und es sollte mal ein geschützter Ort für meine Kinder und mich sein..

Die hier zitierten Kommentare sind nur Beispiele für hunderte ihrer Art. Widerspruch ist in den Kommentaren nicht wahrnehmbar. Dies zeigt deutlich, dass es sich in Bitterfeld nicht nur um rechte Strukturen oder Neonazis handelt, die an solchen Debatten teilnehmen. Der mit diversen Studien und Analysen seit langem beschriebene Rassismus der Mitte wird mit diesen offensiven und unverhohlenen Positionierungen mit ein paar lokalprominenten Gesichtern bebildert.
Menschen, die sich dagegen wehren, als Nazi bezeichnet zu werden und dies als Anlass nehmen, die wildesten Mordphantasien öffentlich zu artikulieren oder sich sogar einen neuen „AH“ oder „Onkel Adi“ – gemeint ist Adolf Hitler – zu wünschen, also letztlich den Holocaust damit befürworten, sind aber Nazis. Das zu negieren oder zu ignorieren stellt eine gefährliche Verharmlosung ihrer Ideologie dar.

Bitterfeld hat ein Naziproblem!

Alle hier zitierten Aussagen liegen im Original vor und werden im Rahmen einer Anzeige auch der Polizei übergeben.
Quellen: diverse Facebook Profile