Bitterfeld: Brandanschlag auf linkes Kulturzentrum

Folgend dokumentieren wir einen Pressebericht der Tageszeitung ND – Neues Deutschland vom 18.04.2015 :


Neonazis unterwegs (Symbolfoto) Foto: dpa/Lukas Schulze (BILD: Andre Kehrer)


Offenbar erneuter Angriff von Rechtsradikalen in Sachsen-Anhalt / Molotowcocktails treffen Wohnwagen / Linken-Abgeordnete Quade: Die Stadt hat ein echtes Problem mit Nazis

Berlin. Im sachsen-anhaltischen Bitterfeld hat es einen Brandanschlag auf ein linkes Kulturzentrum gegeben. Wie unter anderem die örtliche Antifa berichtete, wurden in der Nacht auf das Alternative Kulturwerk AKW zwei Molotowcocktails geschleudert. Die Brandsätze trafen einen kleinen Wohnwagen, in dem sich zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise niemand aufhielt. Es sei niemand verletzt worden, allerdings sei der Wagen unbewohnbar.

Die Antifa verwies daraus, dass das AKW seit Wochen schon »von verschiedenen Nazis und Nazigruppierungen bedroht« werde. Immer wieder sei es auch zu Gewalttaten gegen alternative Jugendlichen und Flüchtlinge in Bitterfeld-Wolfen gekommen. Die linke Landtagsabgeordnete und Landesparteivize Henriette Quade erklärte, zuletzt sei auf einer Nazidemo unter dem Motto »Deutsche schützen gegen Linke Gewalt« unverhohlen zu Angriffen aufgerufen worden. So sei dort unter anderem »Linke haben Namen und Adressen – kein Vergeben, keine Vergessen«, gerufen worden.

Zuletzt hatte es mehrere mutmaßlich rechtsradikale Angriffe gegeben. Erst am Donnerstag waren zwei Männer aus Mali in Bitterfeld-Wolfen mit Flaschen beworfen worden. »Die Ereignisse zeigen: Bitterfeld hat ein echtes Problem mit Nazis und diese schrecken vor nichts zurück«, so Quade. »Darüber sollte geredet werden, nicht über das Image Bitterfelds.«

Die Antifa erklärte, »dieser und andere Vorfälle zeigen wieder einmal, dass linke Kultur und Projekte in der Provinz notwendig und legitim sind, um der allgemeinen rassistischen und nazistischen Denkweise der Provinzbevölkerung effektiv etwas entgegensetzen zu können«. Man werde sich »weder einschüchtern noch vertreiben lassen«. nd

Quelle: Neues Deutschland