Archiv für April 2015

Der Aufbau einer rechten Hegemonie in Bitterfeld

Die Attraktivität der Stadt Bitterfeld scheint sich zumindest für junge Menschen in Grenzen zu halten. Zu beobachten ist dies bei der Überalterung der Kleinstadt. Nach der Schule nutzen viele ihre Chancen, ein Studium oder eine Ausbildung in anderen Regionen zu beginnen. Für die Zurückgebliebenen ist die Stadt dann eben so zu nehmen, wie sie ist. Dass es in dieser strukturschwachen Region nicht viel Abwechslung oder gar Chancen auf berufliche Entfaltung oder sozialen Aufstieg für junge Menschen gibt, liegt auf der Hand. So ist es ein bestimmtes Milieu, das vorwiegend in Bitterfeld zurückbleibt. Besonders rechte Thesen fallen so auf fruchtbaren Boden. Dies zeigt sich in der aktuellen Welle rechter Gewalt am deutlichsten.


Mahnwache am 23. März in Bitterfeld: Volker Götze (am Mikrofon), Maria-Luise Süss-Lindert, Matthias Th., Ordner, Maik Mosebach (verdeckt), Hans-Robert Klug (v.l.n.r.) | Foto: René Erler

NPD, DIE RECHTE, Der III. Weg, „Reichsbürger“ und die „Alternative für Deutschland“: Bitterfeld hat alles, was es für ein richtiges Naziproblem braucht.

Zwar gab es schon immer rechte Strukturen und Übergriffe in der ehemaligen Kreisstadt, jedoch erreichten rechte bis neonazistische Aktivitäten, allein im letzten Monat, ein Ausmaß an Intensität und Bedrohlichkeit, welches für die Region neu ist. Analysiert man die aktuellen gewalttätigen Angriffe auf alternative oder nicht rechte Jugendliche sowie geflüchtete Menschen bis hin zu einem Brandanschlag auf das Alternative Kulturwerk, stößt man unweigerlich auf diverse Personalien der radikalen Rechten, deren Aktivitäten teilweise bis in die 80er Jahre zurückreichen.

Vorwiegend zugezogen, scheinen diese Akteure der Neonaziszene nun eine Organisierung im provinziellen Raum voranzutreiben. Neben AktivistInnen der ehemaligen DVU, welche nach der Fusion für die NPD aktiv sind und der relativ neuen AfD, sind es auch ehemalige Kader der 1995 verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP), die sich nun in der neonazistischen Partei DIE RECHTE oder der Kleinstpartei „Der III. Weg“ engagieren. Ihre Beteiligung an den seit 2014 stattfindenden, angeblichen „Friedensmahnwachen“ auf dem Bitterfelder Marktplatz, bei denen sich auch sogenannte „Reichsbürger“ engagieren, zeigte deutlich ihre Bestrebungen, gemeinsam mit stadtbekannten Neonazis eine rechte Hegemonie in der Region aufzubauen. Alsbald ereigneten sich die ersten Übergriffe, bei denen Menschen in ihren eigenen Wohnungen oder auf offener Straße bedroht, überfallen und unter anderem mit Baseballschlägern verletzt wurden.

Das Antifaschistische Infoblatt beschäftigt sich in einem sehr ausführlichen Artikel mit den Strukturen und vor allem dem politischen Werdegang der Personen, die mutmaßlich hinter der aktuellen, rechten Organisierung in Bitterfeld stehen.

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Bitterfeld und seine Neonazikader

Ein Artikel des AIB – Antifaschistisches Infoblatt

In den letzten Wochen bestimmten die maßgeblich von der NPD getragenen „Proteste“ gegen und der Brandanschlag auf eine geplante Unterkunft für Flüchtlinge in Tröglitz (Burgenlandkreis) die Diskussionen über Neonazismus in Sachsen-Anhalt. von Tilo Giesbers

Zumindest regional wurde auch regelmäßig über die wöchentlichen Demonstrationen des Magdeburger PEGIDA-Ablegers MAGIDA oder die antiziganistischen Auswüchse in Halle-Silberhöhe berichtet. Bisher weitgehend unbeachtet sind aber im gesamten Bundesland rege Aktivitäten von rechts zu beobachten. Neonazis versuchen, ihren Vorteil aus den rassistischen Mobilisierungen der letzten Monate zu ziehen und gehen dabei selbstbewusst wie rabiat vor. Neue Organisierungsversuche und rohe Gewalt schließen einander bekanntermaßen nicht aus.

Derzeit ist am Beispiel von Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) gut zu erkennen, wie beides ineinander greift, wenn es um Hegemoniebestrebungen geht. >>>zum Artikel

Antifaschistische Demonstration am 10. Mai in Bitterfeld

Insgesamt mindestens sieben öffentlich bekannt gewordene gewalttätige rechte Angriffe verzeichnet die Region Bitterfeld seit dem letzten Monat. Darüber hinaus wurde ein Wohnwagen auf dem Gelände des Alternativen Kulturwerks mit zwei Brandsätzen angegriffen. Unzählige Drohungen oder teils rassistische Beleidigungen, unter anderem in einer öffentlichen Bitterfelder Facebook Gruppe heizen die Stimmung immer weiter an und versuchen den Fokus auf eine nicht belegbare angebliche Gewalt von Links zu lenken. Dem stellen sich Antifaschistische Gruppen am 10. Mai in den Weg und fordern „Focus the Facts“.

Wir unterstützen und dokumentieren an dieser Stelle ihren Aufruf zur Demonstration am 10. Mai.

Focus the Facts – Euer nationalistisches Heimatgefühl nicht zum bitteren Alltag werden lassen!“

Zwischen Dessau, Leipzig und Halle in Sachsen-Anhalt liegt die Kleinstadt Bitterfeld-Wolfen. Vormals nicht groß beachtet und auch sonst, – wie viele provinzielle Gemeinden – selten genannt. Doch seit einigen Wochen ist das anders.

Seit Wochen versucht sich die lokale Neonaziszene, erneut in der Kleinstadt auszubreiten und ihre Ideologie zu verbreiten. Geholfen wird ihr dabei durch die hegemoniale, rassistische und rechte Stimmung der Bevölkerung.
Doch von Anfang an: (mehr…)

Vom Märchen der Gewaltspirale. Solidarität mit den Betroffenen neonazistischer Gewalt in Bitterfeld

Stellungnahme des antiranet lsa

Das antirassistische Netzwerk Sachsen-Anhalt solidarisiert sich mit den Betroffenen der rechten Gewalt, die seit einigen Wochen in Bitterfeld mit besonderer Intensität zu Tage tritt. Nach vier Angriffen auf Einzelpersonen durch Nazis, die ihre Opfer teilweise schwer verletzten, wurde am 17. April 2015 ein Brandanschlag auf das Alternative Kulturwerk (AKW) verübt. [1] (mehr…)

Radio Corax Interview mit dem AKW Bitterfeld

Neonazistische Brandanschläge und Gewalt – Alltag in Bitterfeld

Das 10 minütige Interview findet ihr unter >>> Radio Corax

Seit einigen Wochen kommt es in Bitterfeld zu anhaltenden neonazistischen Aktivitäten, dazu zählen auch gewalttätige Übergriffe von Neonazis auf antifaschistische und alternative Jugendliche. Brutale Überfälle in Wohnungen und der Aufbau einer Drohkulisse stellen hierbei eine gängige Strategie von Neonazis dar, um Dominanz und Handlungsfreiheit in den Regionen zu erlangen. Die Angriffe gipfelten zuletzt in einem Brandanschlag auf das Alternative Kulturwerk AKW, in welchem sich die von den neonazistischen Angriffen betroffenen Jugendlichen engagieren. Ein Wohnwagen brannte ab, verletzt wurde zum Glück niemand. Als Reaktion auf den Brandanschlag gegen das Alternative Kulturwerk gab es am Wochenende eine linke Spontandemonstration durch die Bitterfelder Innenstadt. Über die Geschehnisse in Bitterfeld haben wir uns mit Susann vom Alternativen Kuturwerk unterhalten.

Quelle: Radio Corax

Machtanspruch per Brandsatz

Folgend dokumentieren wir einen Pressebericht der Tageszeitung ND – Neues Deutschland vom 21.04.2015 :

In Bitterfeld-Wolfen wollen Nazis offenbar neue Netzwerke etablieren – auch mit Gewalt

In Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt häufen sich die Angriffe auf linke Projekte und alternative Jugendliche. Beobachter sehen Zusammenhänge zum Zuzug rechtsextremer Aktivisten.


Neonazi-Aufmarsch in Halberstadt Foto: dpa/Jens Wolf

Bitterfeld-Wolfen. Die Brandsätze flogen kurz nach Mitternacht über den Zaun des »Alternativen Kulturwerks« (AKW) Bitterfeld. Sie landeten auf einem Wohnwagen und fraßen sich durch dessen Dach. Zum Glück schlief der Bewohner nicht im Wagen, heißt es nach der Attacke vom Samstag im AKW. Dennoch sieht man den Angriff dort als »bisherigen Höhepunkt der aktuellen Welle rechter Gewalt« in der Stadt im Süden von Sachsen-Anhalt.

Seit Ende März hatte es in Bitterfeld bereits vier Übergriffe gegeben, heißt es beim AKW. Dreimal seien alternative Jugendliche attackiert worden, zweimal sogar in ihren eigenen Wohnungen, in die Gruppen von bis zu sechs Vermummten eingedrungen seien. Es gab Schläge und verbale Bedrohungen. Eines der Opfer sei einige Tage später in der Nähe des Bahnhofs aus einem Auto heraus angepöbelt und danach mit einem Baseballschläger verprügelt worden. Drei Tage vor dem Brandanschlag seien zwei Asylbewerber in einem Park mit Flaschen beworfen worden. (mehr…)